MASTER DESASTER

Gemessen an dem Eindruck den man gewinnt, wenn man den Artikel über das Master Desaster im UniSpiegel liest hier klicken, begann die erste Begrüßungsveranstaltung mit einer großen Überraschung. Es waren gerade mal acht Studenten zugegen. Im Laufe der Vorstellungsrunde stellte sich dann noch heraus, dass vier von Ihnen Bachelor-Studenten aus dem fünften Semester waren, welche mal aus reinem Interesse reinschuppern wollten. Eine Mitarbeiterin bei der IFAT-Messe in München hatte mir noch viel Glück bei der Bewerbung gewünscht. Das einzige Glück was ich offensichtlich habe ist, dass ich den Master ohne jegliche Auflagen studieren darf und wie ich mich rumgehört habe, bin ich da so ziemlich der Einzige. Das ist der nächste Irrsinn an der ganzen Bologna-Geschichte, ein Uniwechsel mit einem Bachelorabschluss ist längst nicht so einfach wie einst angedacht. Einem weiteren Beispiel aus meinem Freundeskreis wird gerade im Nachrichtenmagazin SPIEGEL Beachtung geschenkt hier klicken und dieses ist meines Erachtens weitaus skandalöser als so ein paar Auflagen wie Kurse aus dem Bachelorstudium nachzuholen. Wer den Artikel zu Ende gelesen hat, der weiß das Tina nun auch in Kassel gelandet ist, da fühlt man sich nicht ganz so fremd an so einer anonymen Uni, der Kontrast zur Fachhochschule ist schon deutlich geworden. Auch wenn ich nur drei Mitstudenten in meinem Semester habe, sind bei der Vorlesung meist mehr als zehn Studenten anwesend, Maschinenbauer, Bauings und Verfahrenstechniker und Wirtschaftsings. Dank der mannigfaltigen Kursauswahl ist das Auditorium stehts in einer neuen Kombination besetzt, da ist ein WIR-Gefühl wie an der HS in Bremen schon im Keim erstickt.

Ich kann mich noch gut erinnern, was für ein Rumoren entstand, wenn in der ersten Vorlesungswoche der Stundenplan nicht verbindlich war, ja waren das schöne Zeiten, verglichen mit dem Chaos was hier herrscht: Jeder Fachbereich hat sein eigenes System Änderungen und Startzeiten bekannt zu geben. Bei den bis zu sieben verschiedenen Fachbereichen die unser Auswahlspektrum lehren steht man nicht selten vor verschlossenen Türen, da nicht einmal auf das Online-Vorlesungsverzeichnis verlass ist. Bis heute habe ich nicht verstanden, warum ein einwöchiges Seminar im Januar am Montagmorgen um acht Uhr gelistet ist, sicherlich eine miese Finte um den gemütlichen Studentenalltag eins auszuwischen.

So und nun noch eine Anekdote zum Thema kompliziert, wir erinnern uns in Neuseeland war alles einfach, man hatte einen Account, damit konnte man alles machen, drucken, Bücher ausleihen, Lernplattformen anwählen usw. Hier gibt es für jedes Medium einen eigenen Account und wenn man sich zum Beispiel mit der Bibliotheksausweisnummer im Rechner eingeloggt hat, muss man am Drucker die Kartennummer eingeben, obwohl es im Prinzip die gleiche Karte ist, ja das macht mal gar keinen Sinn. Meine achtstellige Matrikelnummer kann ich schon im Kopf, aber irgendwann ist auch mal Schluss mit Zahlengedächnis.

In der Auferstehungsskirche in Kassel finden Vorlesungen statt und im Kino auch, ja die Studierendenzahlen steigen, in diesem Semester wurde erstmals die magische 20.000 er Marke geknackt und es gibt akute Raumprobleme. Da passt es ins Bild, dass die Vorlesung im multimedialen Zeitalter online daheim auf dem Ipad verfolgt werden kann hier klicken.

Ich weiß nicht was für Eindruck mein Beitrag auf den Leser macht, für mich ist es irgendwie der normale Uniwahnsinn, der Spaß macht und eine neue Erfahrung ist. Als Bachelor-Ersti wäre ich damit bestimmt überfordert gewesen, somit betrachte ich die Hochschule in Bremen schon jetzt mit einem anderen Auge und die zwei Semester in Neuseeland waren ein gesunder Übergang damit die Umstellung nicht zu krass ausfällt. Mein grober Studienplan, so weit ich das abschätzen kann, steht zumindest, 33 ECTS pro Semester, dann kann man in Ruhe seine Masterthesis (24 ECTS incl. Projekt) bearbeiten. Ich hoffe das ist ein nicht zu extravagantes Ansinnen, aber wer will schon mit seinem Bachelorabschluss im Praktikantenzimmer landen.

3 Antworten zu “MASTER DESASTER”

  1. Friederike Sagt:

    :-) Wie immer mal wieder hochinteressant und aufschlussreich! Hau rein! :-) KASSEL IST KLASSE, dieses Wortspiel möge dich beflügeln – und die Zahlen werden dich weiter begleiten, sei froh , dass du`s drauf hast, so wie ich die Namen….. da verbrauchen wir nicht zu viel Energie in unseren Berufen. Das Telefonat vorgestern war wunderbar, freu mich schon auf den Umzug-Feier- Samstag! Bis bald:-)

  2. Ich hab zwar den Unispiegel hier liegen aber konnte Tinas Artikel nicht finden. Aber danke dafür. War sehr interessant. Wenn du Interesse hast kannst du dir ja mal die Kommentare zu diesem Artikel durchlesen. Wenn ich da diese ganzen UniSpacken sehe. Ich glaub die sind einfach nur neidisch. sie denken wir hätten es leichter gehabt und sind einfach sauer, dass sie sich durch das UniChaos gequält haben.
    Wie Max und ich beide genauso feststellen: Momentan fallen mehr Vorlesungen aus als eigentlich stattfinden …
    Die Maschine Uni muss erstmal langsam anlaufen. Und qualitativ besser find ich die Ausbildung (ausgenommen die technischen Fächer, die sehr viel mehr Rechnen erfordern) absolut nicht bisher.
    Wir werden sehen.

  3. Nette Sache, vielen Dank, echt interssant.
    Wenn ich nur daran denke…jetzt hocken wir beide morgens früh immer in de Uni :)

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