NEW ZEALAND BY BIKE

“Woher bekomme ich solch ein Fahrrad” fragte mich ein asiatischer Tourist als ich gerade früh morgens in Wellington mein Gefährt aufgesattelt hatte.

In Neuseeland ist es sehr einfach einen Abenteuerurlaub pauschal zu buchen, hierzu zählt unter anderem Fallschirmspringen, Bungeejumping sowie wilde Wassertouren mit dem Speedboat durch felsige Schluchten oder mit dem Schlauchboot auf wildem Gewässer. Eine Fahrradtour kann man sicherlich auch als einen gewissen Abenteuerurlaub betrachten, man weiß eben nie wo man am nächsten Abend übernachtet und es können Straßen und Pisten erkundet werden, die kein Bus entlang steuert. Nebenbei ist man dem teilweise unberechenbaren Wetter des Inselidylls in der Südsee ausgesetzt.

Jedoch ist es ein aufwendiges Unterfangen sich in Neuseeland eine vernünftige Ausrüstung zusammenzustellen, denn gewöhnlich erhält man beim Fahrradhändler nur ein Mountainbike ohne Gepäckträger und Schutzbleche, von den Frontbügeln ganz zu schweigen. Irgendwann habe ich auch halbwegs bezahlbare wasserdichte Satteltaschen online erstanden.

Ja und bei dem Anblick eines so reisebereiten Fahrrades ist die Frohlockung groß, selber in die Pedale treten zu wollen, Fragen kostet ja nichts, aber solch ein praktisches Unikat wollte ich nicht schon nach den ersten geschobenen Metern zur Fähre auf die Südinsel gleich wieder hergeben.

Apropos Unikat, im Land der unzähligen Campervans schien ich mit meiner Art zu Reisen aufzufallen, im Wartesalon der Fährgesellschaft wurde ich abermals angesprochen, diesmal von einem groß gewachsenem neuseeländischen Studenten aus Christchurch, er bot mir seine Wohnung an, falls ich durch seine Stadt käme. Für die letzten Tage am Ende der Reise stand bereits fest, die Kosten für ein Hostel werden mir erspart bleiben.

Sobald auf der Südinsel angekommen, wurden sofort die ersten Höhenmeter in Angriff genommen, so wie es in einer Fjordähnlichen Landschaft in den ‘Marlborough Sounds’ nicht anders zu erwarten ist. Überhaupt stellt sich die Frage, ob Neuseeland für eine Fahrradreise geeignet ist. Meines Erachtens sollte man schon etwas Erfahrung besitzen und ein überzeugter Fahrradfahrer sein. Wer allein auf das Geld schaut, wird keine Freude haben, da besonders in einsamen Gegenden das Wasser deutlich teurer ist als Sprit. Was sind Dreißig gesparte Euro bei 500 km geradelten Kilometern? Die geomorphologisch stark ausgeprägte Südinsel verlangt einem so manchen Schweißtropfen ab und nicht zuletzt leistet der Wind einen gehörigen Beitrag, der an der Ausdauer zehrt. Es gab Tage, da war ich nach 60 Kilometern fix und alle und welche, da hat nach 150 Kilometern der Sonnenuntergang den Feierabend eingeläutet. Wie gesagt, das unberechenbare Wetter, an einem Tage war es unmöglich bei starken Seitenwind sein Fahrrad in der senkrechten zu halten und Abends konnte ein Lagerfeuer bei absoluter windstill genossen werden. Ein Morgen bei Sonnenschein endete gegen Abend mit einer Fahrt durch mehrstündigen monsunartigen Regen.

Der Verkehr ist auf der Südinsel nur in besiedeltem Raum etwas stärker frequentiert. Auf den einzigen Haupstraßen über Land, kann man zeitweise mehr zehn Minuten seine Ruhe haben, bis einem ein einzelnes Fahrzeug begegnet. Außer den Lastwagen wird auf Radfahrer Rücksicht genommen, zumindest auf der Südinsel, so mein Eindruck. Auf der Nordinsel sieht es mitunter etwas anders aus, deshalb sollte die Südlichere präferiert werden. Diese Erfahrungen habe ich von Mitstreitern vernommen, denn Selbige trifft man auch irgendwann einmal unterwegs. Immerhin habe ich gut eine Woche die Fahrt mit einem Kanadier und einem Deutschen genießen dürfen: Wildcampen am See oder Fluss bei einem gepflegtem Bier am Lagerfeuer. Es gibt aber auch Phasen, da macht man mehr Begegnungen mit Kuh, Reh- oder Schafherden, es taucht auch nach über Hundert Kilometern kein einziges Lädchen auf. Trotzdem, wie bereits erwähnt, eins ist sicher, wenn man mit dem Rad unterwegs ist, man fällt auf. Nie zuvor wurde ich so oft angesprochen, „wir haben dich gestern dort in der und der Straße gesehen, heute bist du schon hier?“ oder so ähnlich. Besonders bemerkenswert war ein Wiedersehen einer international bunt gemischten Reisegruppe eines grünen „KIWI Experience“ Busses, welcher mich Nachmittags achtzig Kilometer vor dem einzigen Ort ‘Westport’ überholt hatte – Abends saßen wir trotzdem im gleichen Hostel. Ich bin sicher, dass zumindestens einige begriffen hatten, dass diese Art Buspauschalreise nicht so wirklich das wahre „Experience“ ist.

Strecken die man als Radler nicht missen sollte, ist die Westküste zwischen Greymouth and Westport, die wahren Abenteurer riskieren es weiter entlang der Westküste bis nach Haast: Außer am berühmten Franz Joseph Fox Geltscher gibt es 320 Kilometer keine Möglichkeiten zum Unterkommen und Einkaufen und dass bei äußerst rauem Klima. Als Alternative bietet es sich an, den fast einzigen Zug auf der Südinsel nach Christchurch über den Arthurs Pass zu nehmen oder den Pass mit eigener Kraft zu erklimmen. Wetterbedingt entschied ich mich für Ersteres – einmal Zugfahren in Neuseeland. Dieser fährt einmal täglich und alles erinnert einen eher an Flugzeug fliegen, eine Bordkarte mit Sitzplatz, das Fahrrad kann man schon drei Stunden vorher einchecken und am Bahnhof Springfield stand es dann da wie vorher gebucht. An diesem einsamen Ort mitten in den NZ-Alpen hielt der Zug nur wegen mir.

In der Region um Queenstown ist die Fähre zur Walters Peak zu empfehlen, danach kann man mehr als Hundert Kilometer in Einsamkeit auf Schotterwegen gen Süden genießen, einen Umweg zu den Mavora Lakes bloß nicht auslassen. Zu guter Letzt ist der „Otago Central Rail Trailhttp://www.otagorailtrail.co.nz/ ein Muss, schließlich ist dies der einzige explizit ausgewiesene Fern–Radweg in diesem Land, ausgebaut auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke, mehr als 2% Anstieg ist ausgeschlossen. Das letzte Stück von Pukerangi nach Dunedin durch den spektakulären ‘Taieri Gorge’ wurde für Touristenzwecke als Gleisbett aufrechterhalten, zu erleben aber nur mit dem Rad im Zug. In Dunedin schließlich habe ich die offiziell steilste (36%) Straße der Welt als Tourziel auserkoren. Von jetzt an begann die Rückreisen, zunächst mit der Fahrrad-freundlichsten Busgesellschaft „Atomic Shuttle“ bis nach Christchurch, die Strecke entlang des Highway 1 an der Küste war mir bereist gut bekannt und hemmte meine Motivation sie abzuradeln, das Wetter gab mir recht. Angekommen in der Stadt wollte ich meinen Gastgeber mit dem Handy anwählen, das Fahrrad war da, das Mobilfunkgerät aber im Bus geblieben. Ein Besuch in Reisecenter brachte Gewissheit, dass ich es wiederbekommen, würde, jedoch ich an diesem Abend, mein Zahlengedächnis rettete mir die Unterkunft. In den folgenden Tagen genoss ich zum letzten mal die Stadt, und suchte ich vergebens einen interessierten Fahrradabnehmer. Derweil wurde die Gastfreundlichkeit bei dem Neuseeländer selbst bei sechs kaum bekannten Gästen nicht überstapaziert. Umso schwieriger war es so einen asiatischen Zeitgenossen wie aus den frühesten Reisestunden aufzutreiben. Auch wenn es mitunter absurd klingt, es ist fast ratsamer sein Rad aus Europa ein- und auszufliegen zu lassen, als mit den Kiwis Fahrradgeschäfte zu machen, ein gebrauchtes Fahrrad wird definit unterbewertet. Fortan stellte ich mir die Frage wie bekomme ich mein Fahrrad los, mein alter Mitbewohner hat Glück gehabt – Freundschaftspreis.

Zusammenfassung meiner Fahrradtour vom 15. 11. bis 09.12.2009

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Eine Antwort zu “NEW ZEALAND BY BIKE”

  1. Erfrischend gut

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